Meerschweinchen sind die Lieblinge der Streßforscher

aus der Zeitung Kleine Steiermark vom 22.12.98

"Gelernte" Meerschweinchen sind ein Musterbeispiel für inneres Gleichgewicht. Selbst auf engstem Raum ist Streß kein Thema für sie.

Die Meerschweinchen haben außergewöhnliche Harmoniefähigkeiten. Die Streßforschung hat sich diese Wuschelchen rot angekreuzt, weil sie so einmalig sind. Der hochrangige Hormon-Streßforscher Norbert Sachser erforschte viele Jahre lang hauptsächlich Meerschweinchen.

Sie bringen etwas fertig, was die Menschen nicht schaffen. Wie bei Übervölkerung leben sie dicht zusammen, ohne einander auf die Nerven zu gehen. 24 dieser Stupsnasen aus Übersee können auf sieben Quadratmetern gut miteinander auskommen. 24 Menschen würden es auf sieben Quadratmetern zwar schon deswegen nicht aushalten, weil sie sich dann gegenseitig auf die Füße treten, aber auch wenn man so klein ist wie ein 25-Zentimeter-Meerschweinchen, ist das im Tierreich noch ein Kunststück.

Bei anderen Tieren, die so eng zusammengepfercht sind, brodelt es. Zwar merkt man ihnen äußerlich meist nicht viel an, doch unsichtbar tobt der Streß in ihnen, bis er krank macht.

Norbert Sachser "durchschaute" die Tiere, indem er ihre Streßhormone maß. Eigentlich müßten die Meerschweinchen genauso vom Streß gemartert werden, denn auch bei ihnen gibt es hohe Tiere, die den aufstrebenden Nachwuchs in Schach halten und von den Weibchen bevorzugt werden. Doch trotz dieses gefährlichen Spannungsfeldes leben sie stabil in festen Beziehungen zusammen.

Sie schlagen dem Streß ein seltsames Schnippchen. Erstaunt stellte Norbert Sachser fest, daß die tiefrangigen Tiere, die unter Druck von oben standen, genausowenig unter Streß litten wie die hohen.

Sind die vierbeinigen Pelzzwerge nun von Natur aus Glücksschweinchen oder wie gelingt ihnen ihr "übernatürlich" anmutendes Arrangement? Auch das erforschte Norbert Sachser. Die Antwort: Man muß ein "gelerntes" Meerschweinchen sein, um sein inneres Gleichgewicht zu behalten. Ein "geborenes" Meerschweinchen zu sein, genügt nicht.

Das sah der Streßforscher, wenn er zwei Meerschweinchenmännchen zusammensetzte, die "unsozial" waren. Sie waren nicht in einer Gruppe aufgewachsen, sondern nur zusammen mit einem Weibchen. Sobald zwei "Unsoziale" zusammen waren, bekämpften sie sich und gerieten unter Vollstreß. Selbst der Stärkere kam noch heftig aus dem Gleichgewicht, der Schwächere aber kam mit seinen Körpersäften so durcheinander, daß er schon nach drei Tagen fast gestorben wäre.

Zwei "gelernte" Meerschweinchen hingegen, die vorher sozial in einer großen Gruppe waren, bleiben "cool". Ohne Kampf "einigen" sie sich schnell auf eine Rangfolge und leben ohne Streß zusammen.

Den Originaltext findet man bei Kleine Online

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Meerschweinchen - www.meerschwein.de Update: 27.12.2004 Mail an Andrea